Das Oberlinhaus – Ein Haus entsteht

Über die Jahre ist uns das Oberlinhaus sehr ans Herz gewachsen und wir engagieren uns im Verwaltungsrat des Trägervereins und in der baulichen Erhaltung und Erneuerung des Hauses. Hier findest Du eine Beschreibung des Hauses und seines Entstehungsprozesses. Wir sind nicht direkt für die Reservierung und Gruppenbetreuung verantwortlich. Informationen dazu gibt es hier.

(Informationen teilweise aus dem „Oberlinbrief“ zum 40- jährigen Bestehen des Hauses)

Das Oberlinhaus ist ein Tagungshaus in den Vogesen bei Orbey. Es liegt auf ca 1000m in malerisch schöner Landschaft und bietet an klaren Tagen einen Blick über die ganze Rheinebene bis zum Schwarzwald. Rundherum sind ein paar einzelne Häuser verstreut, das Haus liegt aber ruhig und bietet viele Möglichkeiten draußen zu sein und zu wandern. Innen sind die Zimmer und Räume einfach und praktisch ausgestattet. Vieles wurde schon gebaut, an anderen Stellen kann noch Hand angelegt werden. Das Oberlinhaus ist ein Ort der Begegnung und gemeinsamen Gestaltung.

Das Oberlinhaus ist ein internationales kulturelles Zentrum, das bewusst als Begegnungsstätte dort gebaut wurde, wo noch vor gut 100 Jahren deutsche und französische Soldaten auf den Schlachtfeldern des Ersten Weltkrieges gegen einander kämpften, als Ort, der Menschen zusammen bringt. Mit diesem Impuls, begannen etwa im Jahr 1966 Jugendliche ein Haus zu bauen, eine Arbeit, die über 30 Jahre anhielt und immer neue Jugendliche anzog. Initiiert und begleitet wurde die Arbeit von der Christengemeinschaft. Es sollte als Begegnungsstätte für Menschen aus der ganzen Welt dienen. So waren auch die Jugendlichen aus der ganzen Welt, vor allem aus Frankreich, Deutschland und den Niederlanden am Bau beteiligt. Am Anfang war dies mit viel schwerer körperlicher Arbeit verbunden. Es musste mit den vielen Quellen des Berges umgegangen, Fundamente, Wände und das große Dach errichtet werden. Die Jugendlichen trafen sich meist in Baulagern. Dabei blieb neben der Arbeit immer auch noch Zeit für Begegnungen, künstlerische Arbeit und gemeinsame Diskussionen zu ethischen und philosophischen Themen.

Je weiter die Arbeit voran schritt, desto mehr ging es um Gestaltung und Innenausbau. Schließlich konnte das Haus bewohnt werden.

Die Beschäftigung verlagerte sich nun immer mehr zu themenbezogener inhaltlicher oder auch kultureller Arbeit hin. Aber noch immer wird an vielen Stellen etwas verschönert, verbessert oder repariert. Heute finden vielfältige Veranstaltungen und Tagungen im Oberlinhaus statt, und sowohl Jugendliche, als auch Menschen anderer Lebensalter genießen gerne die besondere Atmosphäre des Oberlinhauses.

Während der Bauzeit befassten sich die Jugendlichen unter anderem auch mit Biographien aus der Gegend des Elsass, wobei sie Johann Friedrich Oberlin besonders ansprach. Sein Denken über die Staatsgrenzen hinweg und seine Zweisprachigkeit beeindruckten sie, sowie seine Unterstützung auf vielfältigen Gebieten, die er den Menschen seiner kleinen Gemeinde zukommen ließ. So wurde er zum Namensgeber für das Haus – das Oberlinhaus.

Das Oberlinhaus war für ca. 40 Personen ausgelegt, es fasst aber erfahrungsgemäß auch angenehm gute 60 Personen. Dafür sorgen die vielen Zimmer im 1. Stock mit Hochbetten und die kleineren Zimmer im 2. Stock. Es gibt auf jedem Stock Toiletten und im 1. Stock zwei Gemeinschaftsbäder mit Duschen. Im 2. Stock befindet sich ein großer Saal, der sich für Plena, und Gesprächskreise genauso eignet wie für ausgelassenes Tanzen, Theaterspielen oder Singen. Die Küche und der große Speisesaal im Erdgeschoss ermöglichen eine gute Verpflegung. Die kleine Bibliothek und der Kamin machen das Haus so richtig gemütlich. Im 3. Stock befindet sich außerdem eine Wohnung, die im Moment vom Verwalter des Hauses bewohnt wird. Vor dem Haus gibt es eine Feuerstelle und einen Pizzaofen. Der Basketballplatz eignet sich auch für Gruppenspiele. Am Hang befinden sich Weiden und ein Stall für Kuh, Pferd und Schwein, sowie ein kleines Häuschen, das bewohnt werden kann.

Das Oberlinhaus möchte Möglichkeiten des ökologischen Lebens zeigen und erfahrbar machen. Geheizt wird mit Holz – Sonnenkollektoren und in Notfällen ein Generator sorgen für Strom und die Unabhängigkeit vom staatlichen (Atom-) Stromnetz. Das Wasser kommt aus den Quellen im Berg und eine Pflanzenkläranlage reinigt das Abwasser.


 

Von Frühling 2015 bis Frühling 2016 hat das Oberlinhaus ein neues Dach und neue Fassaden erhalten. Fast 12 Monate lang haben insgesamt an die 100 Jugendliche und junge Erwachsene Dach und Fassaden mit ökologischen Materialien neu gedämmt und verschalt und zuletzt vom Dachdecker das Decken mit Schiefer gelernt, um die letzte Dachseite selbst zu decken. So konnte es pünktlich zum 50 jährigen Jubiläum des Hauses wieder eine Baustelle im Oberlinhaus von und mit jungen Menschen geben, wie in der Entstehungsphase des Hauses.

Das Oberlinhaus ist jetzt im Winter kuschelig warm - auch im großen Saal. Das Dach ist wieder dicht und zum Heizen wird wesentlich weniger Holz benötigt als vorher. So hat das Oberlinhaus, das seit seiner Erbauung neue Wege ökologischen Lebens erprobte und zeigte, einen weiteren Schritt in diese Richtung gemacht.