Ein Kran, der deine Lasten trägt...

Wenn wir gelegentlich mal das Oberlinhaus verlassen und z.B. zum See fahren, freuen wir uns - nach all der Ruhe, abgesehen von unserem eigenen Baustellenlärm - über ein bisschen Radiomusik und so kam diese kleine Strophe zu ehren des Krans zu Stande. Er hat uns in den letzten Tagen geholfen die ersten blauen Planen auszubreiten und zu falten, die wir zurück geben können, weil wir nicht mehr so große Flächen abdecken müssen. Er hat uns geholfen für die Dachdecker Schieferpakete ins Gerüst einzufädeln, Materialberge zu sortieren, die immer wieder das Gelände bedecken und viel Dämmung heran zu schaffen.

Wir hatten eine zweite Episode mit vielen Menschen - einige von den Radler*innen sind fast zwei Wochen geblieben, andere sind wieder runter gefahren, neue sind gekommen. Das war eine sehr intensive soziale Zeit - imer wieder ändert sich das Zusammensein, wenn sich die Konstellation ändert und bei unserem gemeinsamen Wochenrückblick wurde von einigen geäußert, wie schwierig es ist, sich zu entscheiden zwischen etwas Rückzug und der schönen Zeit mit all den lieben Menschen.

Außerdem wurde immer wieder gesagt, wie schön es ist auf die Baustelle zu kommen, etwas gezeigt zu bekommen und einfach anfangen zu können - das Vertrauen zu spüren "ihr macht das schon" - obwohl mensch vielleicht noch nie Dämmung geschnitten oder Latten gesägt hat.

Und so hatten wir weiter wuselige Tage, an denen an zwei Stellen gleichzeitig harte Dämmung angebracht wurde, unterm Saal bei Abrissarbeiten im Staub geduscht wurde und der Übergang von der Nordseite zur Südseite des Dachs über den First hinweg geklebt und gedämmt wurde. Natürlich hat uns beim Zudecken des Dachs mit Planen auch mal wieder der Regen überrascht - eine durchaus eindrücklich Erfahrung zu versuchen, alles möglichst schnell dicht zu kriegen und dabei von Wasser überspült zu werden, das das Dach hinunter schießt.

Zwei Wochen lang war eine Musical Freizeit im Oberlinhaus, so dass wir beim Arbeiten life Musik hatten und im Haus und um das Haus ganz schön viel los war. Wir waren zur Generalprobe eingeladen und hatten großen Spaß daran zu sehen, was wir bisher nur vom Hören kannten. Inzwischen ist das Haus wieder ein paar Tage leer gewesen, was uns ermöglicht hat im großen Saal die neuen, größeren Fenster einzubauen - ein spannender neuer Arbeitsschritt, der nach wenigen Stunden ein Ergebnis bringt, über das wir uns noch lange freuen können.

In den letzten Tagen ist alles plötzlich wieder ruhiger - eine neue Phase hat begonnen. Wir arbeiten zu siebt überwiegend um die Kehle herum und alles geht wieder ein bisschen langsamer. Einige von uns, die in den letzten Wochen viel mit Logistik beschäftigt waren (erklären, vorbereiten, Dinge holen, kistenweise Essen heran schaffen, Arbeitsschritte planen) haben Spaß daran wieder Stunden lang vor sich hin zu arbeiten oder an einer gemeinsamen Unterhaltung über das Dach hinweg teilzunehmen. Die Kehle ist der Ort, an dem alles mögliche zusammen läuft und stärker von einander abhängt, als an anderen Stellen des Dachs - das hatte ich auf der anderen Dachseite bereits beschrieben. Wanja hatte sich den Fuß gezerrt und ist froh, jetzt wieder auf dem Dach herum hüpfen zu können. An vielen Stellen konnten wir unabhängig von ihm arbeiten, aber das Versetzen von Sparren und Herumtüfteln in der Kehle musste warten. So lag Wanja die letzten Tage in dunklen Winkeln und hat ein Dämmkonzept dafür ausgeheckt, oberhalb wurde Dampfsperre verlegt und verklebt, rechts davon gekorkt und gedämmt - alles nah beieinander und doch entzerrt genug. Dabei können wir uns austauschen, beraten, fragen klären und sogar Gedichte erfinden, ohne Schreien zu müssen und können unsere Neugier befriedigen und immer sehen, was die Anderen gerade machen.


In den nächsten Tagen reist eine neue Gruppe an - einige Menschen, die schon seit vielen Jahren ins Oberlinhaus kommen. Wir freuen uns, dass uns das Bauprojekt die Möglichkeit gibt mit Menschen in Kontakt zu treten, die das Haus schon lange kennen und die wir sonst vielleicht nicht getroffen hätten. Ab und zu kommen Menschen vorbei, die uns neue Geschichten über die Entstehungsphase erzählen können, so dass sich teilweise ein Bild zusammen puzzelt. So haben wir z.B. erfahren, dass zunächst alles mit Glaswolle gedämmt war und diese erst im Nachhinein durch Kork ersetzt wurde, um die Siebenschläferrennbahnen etwas einzudämmen. Auch die Kommentare zu den Blog Einträgen freuen uns und lassen uns wissen, das wir mit unerem riesigen Projekt nicht alleine dastehen - denn auch wenn wir von Anfang an voller Elan und ohne Zweifel sind und wissen, dass wir sowohl den handwerklichen, als auch den organisatorischen und sozialen Gegebenheiten und Herausforderungen gewachsen sind - manchmal wird plötzlich sehr spürbar, dass das ein ganz schön großes Dach und ein ganz schön großes Projekt ist :)

Und so möchten wir euch zum Abschluss zur Jubiläumstagung des Hauses im Herbst einladen! Wir hoffen, dass viele langjährige und neue Freund*innen des Hauses zusammen kommen, um sich auszutauschen, Impulse aufzugreifen und weiter zu bearbeiten und an der Zukunft des Hauses mitzuwirken. Es gibt ein paar Fehler im Flyer - die spiegeln die Herausforderungen bilingualer Zusammenarbeit wieder und sind darum nicht weiter tragisch, finden wir - entschuldigt, wenn ihr euch daran stört, wir haben uns bemüht :) Natürlich seid ihr auch zu einzelnen Teilen der Tagung eingeladen - bei Fragen könnt ihr euch an das Haus oder auch an uns wenden.

Download
Flyer Jubiläumstagung_end_klein.pdf
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Und nun zu guter letzt ein paar Bilder - wie immer.

Genießt den Sommer und wenn ihr mal nichts zu tun habt, könnt ihr uns Kekse schicken ;)

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Kommentare: 2
  • #1

    Beccy (Dienstag, 25 August 2015 17:59)

    Wie schön jetzt die Neuigkeiten wieder auf diesen Wegen mitzubekommen. Es eröffnet einfach neue Perspektiven "live" dabei gewesen zu sein und natürlich freu ich mich ganz besonders über die älterne Bilder, die Erinnerungen an unvergessliche Tage wecken.
    Schick euch (noch) keine Kekse, dafür aber ganz viel Sonnenschein und die besten Grüße in die schönen Vogesen!
    Rebecca

  • #2

    Ruth (Samstag, 05 September 2015 20:08)

    Wie schön von den neusten Entwicklungen zu hören! Vielen Dank für den Eintrag und die schönen Bilder.
    Ich schicke euch jetzt erstmal kuschelige wollpulli Gedanken in der Hoffnung, dass es nicht ganz so eisig ist wie vor zwei Wochen und demnächst bekommt ihr bestimmt mal Kekse :)
    Liebe Grüße und ganz viel Sonnenschein aufs Dach, auch in dunkle Winkel!
    Ruth