Ein riesengroßes Dach

Plötzlich sind wir wieder 16 Menschen, die das Dach bearbeiten und betoben, den Essenstisch bevölkern und sich dabei etwas wärmen - denn die Temperaturen sind wieder ganz schön gesunken. Das bedeutet auch, dass wir wieder ordentlich an Tempo zugelegt haben und manchmal sogar die Sägen und Akkuschrauber knapp werden.

Die letzten Tage haben wir uns besonders mit Holzweich-faserplatten (der harten Dämmung) beschäftigt - eine wahre Materialschlacht, bei der wir uns in großen Schritten das Dach hinauf bewegen. Von außen betrachtet sind wir aber kleine Ameisen, auf einem riesengroßen Dach - wie ich bei Anschauen der Fotos festgestellt habe.

Die Holzweichfaser-platten werden per Nut und Feder in einander gesteckt und haben sensible Kanten, so dass sie vorsichtig transportiert werden müssen. Und oft werden sie sehr weit transpor-tiert. Dann werden sie mit ein oder zwei Schrauben am Sparren fixiert. Es ist nicht immer leicht, die Platten so ineinander zu schieben, dass keine Fugen bleiben, auch wenn wir noch so gewissenhaft auf drei zählen, sie mit Schwung runter schieben und gleichzeitig seitlich gegen die nächste Platte drücken...

Hier eine kleine Geschichte in Bildern, wie die Platte von der Palette an ihren Bestimmungsort kommt - ohne, dass die Feder bricht und was beim Dämmen sonst noch stattfindet.

Die letzte Reihe Dämmung haben wir spät Abends beendet und dabei noch parallel zum letzten Mal die Planen zugemacht - hierbei machte sich bemerkbar, dass es inzwischen schon viel früher dunkel wird!

Es gab außerdem allerlei Klebearbeiten an den Dämmungskanten und am Kniestock, dem Kasten, der unter der Traufe hervor schaut. Darauf folgte die Unterspannbahn - die blaue Folie, die von außen zur Dämmung hin dicht ist, aber Feuchtigkeit erlaubt, aus der Dämmung nach außen zu gelangen. Das ist eine meterlange Verlegarbeit quer über das ganze Dach hinweg - und das Beste ist: danach ist das Dach dicht und muss nie mehr mit Planen zugedeckt werden. Über die Unterspannbahn kommen Konterlatten, die bei großer Turnarbeit angebracht werden und mit zwei Sorten riesen großer Schrauben in den Sparren befestigt werden. Die Gruppe, die neu angereist ist staunte und gruselte sich etwas bei unserer Dach-Akrobatik. Meistens sieht das von unten ganz anders aus, als es sich anfühlt - aber mitunter wenden manche von uns all ihr psychiologisches Wissen lautstark an, um sich sebst zu beruhigen, wenn sie zum ersten Mal auf einer dünnen Lauflatte ganz oben auf dem Dach stehen :)


Unterm Kniestock, halb im Verborgenen wurden in den letzten Tagen außerdem emsig Latten angeschraubt und die wunderschöne Verschalung angebracht. Wer das Oberlinhaus jetzt durch den Haupteingang betritt und kurz vorher nach Oben schaut, könnte denken das Haus ist schon fertig. Und natürlich haben wir unter Wanjas wachsamem Blick nur die aller schönsten Bretter ausgewählt - das könnt ihr euch bei Gelegenheit mal anschauen :) Außerdem wurde die Moderecke neben der Tür zum Werkstattflur modeliert - es hatten sich Kiefernnadeln unter das Blech in der Kehle gebohrt und dem Wasser geholfen Sparren und Bretter zu verfaulen. Wir haben die Ecke jetzt kunstvoll gedämmt und von oben sternförmig verschalt, auch wenn davon später nur noch ein kleines Stück zu sehen sein wird.


Inzwischen sind sogar die ersten Dachfenster eingebaut und gerade jetzt werden die fehlenden Konterlatten angebracht und  die Schalung klettert das Dach hinauf. Wir merken, dass sich der Sommer langsam dem Ende zuneigt. Unser Bauprojekt hat zwar noch Einiges an Arbeit für uns vorrätig, aber die Tage, an denen wir die Südseite des Dachs bearbeiten, sind gezählt.

Einige von uns sind bereits viele Wochen bis Monate hier oben - Vieles ist inzwischen ganz normal geworden und es hat sich ein Alltag etabliert. Und dabei kommen auch Fragen, Einsichten und Herausforderungen auf, die wir aus unserem Tagungsalltag so nicht kennen - denn dort verbringen wir zwar jedes Mal eine sehr intensive Zeit miteinander, aber immer auf einige Tage begrenzt. So ist es gut, dass wir weiterhin ein Mal in der Woche am Feuer zusammen kommen und uns austauschen. Denn gerade jetzt sind so viele von unserem Kernteam hier oben, wie bisher noch nicht in der Bauphase.

So genießen wir jetzt die letzten Tage unseres Herumturnens auf dem Süddach, bevor wir zur Rückseite des Saals übergehen - und freuen uns, dass es einem*r beim Arbeiten so schön warm wird!

In wenigen Tagen wird das Oberlinhaus wieder lichtdurchflutet sein und bestimmt bemerken wir bald, dass das Haupthaus jetzt ganz gedämmt ist! Wir halten euch darüber auf dem Laufenden :)

Beste Grüße aus den spätsommerlichen Vogesen, euer OberlinImpuls.

Kommentar schreiben

Kommentare: 2
  • #1

    Paul (iromensch) (Montag, 14 September 2015 21:06)

    woah ._. :D
    ich habe ganz vergessen wie lang es es schon her ist dass ich bei euch war und an diesem viertel vom saaldach, wo jetzt schon die schieferplatten liegen, die letzten schalbretter festgeschraubt habe
    (eigentlich ist es ja auch erst vier wochen her, aber irgendwie ist da sehr viel passiert!). Krass. Und ich krig sehnsucht, vor allem wenn ich dran denke dass der eintrag hier ja schon ne woche alt ist, und wie es jetzt wohl aussieht...ganz viele liebe herzliche grüße, Paul

  • #2

    Julia (Freitag, 18 September 2015 17:05)

    ...Ihr erinnert mich irgendwie an den Straßenfeger Beppo im Roman "Momo" von Michael Ende; Wenn mensch nicht panisch alles ansieht, sondern Stück für Stück arbeitet (aber Bewusstsein für den Rest nicht verliert), dann klappts... Kraaasss, das Ende ist "schon" so nah...!
    203 cm x Y liebe Grüße aus dem Tal