Das Hauptdach ist Schnee von gestern

 Nach windigen, mal sonnigen, mal feuchten Herbsttagen haben wir Mitte dieser Woche tatsächlich den ersten Schnee gehabt. Es fing mit Graupel an und wandelte sich in kleine lustige Flöckchen, die sich in die Dachkehle des nun komplett verschalten Süd-Hauptdaches kuschelten. Tags zuvor waren wir noch sommerlich dabei gewesen die letzten Laufbretter zuzunageln und die harten Dämmplatten auf der Westseite anzubringen – Nut und Feder und ab und zu einen Winkel von 7 oder 14 Grad.

Die Arbeit an den beiden Kniestöcken (dieser Dachüberstand, wo man entweder gebückt, auf Knien, oder sich streckend arbeiten muss, wo es entweder zu schattig oder zu nass ist…) ist nun abgeschlossen, das Fliegengitter wurde von allen möglichen Resten und Bauutensilien befreit und ganz bald schon kann dort das Gerüst abgebaut werden (Auf dem Bild die Bretter auf der Seite der Küche, mit unserer Beule, die durch das Treppenhaus kommt).

Die Arbeiten an der Fassade bestanden in den feucht-windigen Tagen daraus den ersten Teil der Unterkonstruktion anzubringen, auf welche dann die neuen Fassadenbretter geklammert und geschraubt werden, allerdings warten wir noch gespannt auf dieses Holz, kennen die Struktur und Farbe der Douglasie schon vom Kniestock…

Außerdem gab es um die neuen und alten Fenster (diese auf Esssaalebene) weiterhin Klebearbeiten: Schürzen aus blauer Unterspannbahn schneidern, mit schwarzem Klebeband an den Rändern versehen und dann auf „geprimerte“ Platten und den Fensterrahmen kleben. Diese Fitzelarbeit macht die Fenster winddicht und verhindert, dass Wasser in die Dämmung dringt, wenn sie sich an der Fensterbank vorbeischmuggeln sollte. (Das schicke Holz für die Fensterbänke wartet schon auf unserem Lagerplatz.)

Ein Event war auch der fliegende Notausgang. Baugeschichtlich war diese Konstruktion erst später dazugekommen und im Laufe der Jahre ist er szs. etwas eingeknickt – und da auch mancher Balken ausgetauscht werden musste, lösten wir die Stricke und lehrten ihn das Fliegen, kurios =). Es folgte die völlige Dekonstruktion und der Wiederaufbau, mit alt und neu. Mittlerweile fehlen nur noch ein paar Platten harter Dämmung und auch die Wände die rechts und links des Notausganges mehr oder weniger aufeinanderzulaufen werden gerade so umgeschustert, dass die Symmetrie wieder schöne Verschalung möglich macht.

Priester bekommen nun beim Altar auch keine kalten Füße mehr, soviel Holzwolle, wie wir da von unten hineingeschichtet haben =).

Ab und zu nach der Arbeit und an freien Tagen sind wir fleißig am Spielen und Lachen. Es ist wunderbar, wenn wir nicht zu müde sind und alle motiviert uns in Uno-Künsten zu messen und den Zufall für uns zu gewinnen. Dadurch, dass wir mittlerweile im Dunkel-dämmrigen aufstehen und unsere Arbeitszeit abends knallhart durch zu wenig Licht gegen halb acht beendet wird, verbringen wir die Päusle gerne in der Küche. Ja und dann gibt es noch die Frage, wie wir das eigentlich mit der bevorstehenden Zeitumstellung am besten machen…


Welche zahlreichen Arbeiten wir sonst noch erledigt haben, und was sonst noch passiert ist, hier in Bildern:

Und dann gab es da unser Jubiläumswochenende, eine Tagung zum Thema "Zukunft" anlässlich des 50 jährigen Jubiläums des Oberlinhauses.

Ja, wir waren erstaunt, wer da alles so auftauchte, denn wir waren nicht sicher, ob wir Bauende aus den verschiedenen Jahrzehnten erreichen würden. Es war ein Wochenende voller Geschichten und Erinnerungen - z.B. bei einem Dia-Abend, bei dem wir uns ein bisschen wie Teil einer lustigen großen Familie im Wohnzimmer fühlten - mit Begegnung und einem intensiven Blick in eine mögliche Zukunft des Oberlinhauses. Es war schön, dass all diese Menschen plötzlich da waren und wir fühlten uns als bauende Gruppe unterstützt und anerkannt.

Ganz schön und neu ist es für uns, von unseren Nachbarn dort oben, die 200m Luftlinie entfernt seit vielen vielen Jahren immer wieder sind, eingeladen und besucht zu werden.

Direkt im Anschluss, schon voll im Tagungs-Schwung bereiteten wir während eines Nachmittags unsere Herbsttagung inhaltlich und organisatorisch weiter vor. In zwei Wochen schon werden wir uns in verschiedensten Formaten meiner Gruppe von 30-40 Personen zum Thema des (uns formenden) Zusammenlebens auseinandersetzen. Wir freuen uns noch über weitere tagungslustige Menschen! Los geht`s am Donnerstag, dem 29.10.

Auch der Flyer für das Jahresprogamm wurde gestaltet und das kommende Jahr ist wieder gut ausgestattet mit Tagungen mit spannenden Themen… 2016… ja bald, aber bis dahin strecken wir die Monate noch ein bisschen, um das Dach-Bau-Projekt abschließen zu können.

 Nach zwei Monaten, in denen ich, Lenia nun meine Kraft und Begeisterung, sowie meinen Frust über krumme Nägel in die Baustelle, mit der schönsten Aussicht die gibt gesteckt habe, geht’s für mich wieder zu Uni und anderen Baustellen zurück. Ich kann mit getippten Worten gar nicht recht beschreiben, was mir diese Zeit bedeutet und in Zukunft noch bedeuten wird. Ich schaue Baustellen jetzt auf jeden Fall mit einem anderen Blick an =) Und weiß, dass ich (harte) Arbeit genießen kann. Ich weiß jetzt, dass „große Baustelle“ nicht gleichzusetzen ist mit großer Arbeit bzw. großen Arbeitsschritten. Ich habe erfahren, dass es geht, sich nicht von Problemen lähmen zu lassen, sondern direkt mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln eine Lösung zu er-finden. Ich durfte lernen, dass Arbeit nicht ein zu vermeidendes Übel ist; was ich brauche, um gut mit jemandem zusammenarbeiten zu können und darein zu vertrauen, dass man sich als Team mit der Zeit einspielt; warum es welche Dämmschicht oder Folie gibt, wie welcher Balken heißt (naja, das Vokabular ist noch ausbaufähig) und wie ich den Geißfuß benutze oder mal mit dem Bohrfutter eine durchgedrehte Schraube wieder herausbekomme. Ich habe versucht mir den Blick zu erarbeiten, dass es vielleicht ganz bereichernd und damit positiv herausfordernd sein kann, wenn es kompliziert wird, ob im Praktischen oder im Sozialen. Ich habe die Menschen, mit denen ich seit vielen Jahren unsere Jugendtagungen vorbereite und dann während 5 Tagen gestalte und lebe in ihren vielen weiteren Facetten kennenlernen dürfen – und enge Verbindungen aufgebaut, die sich vielleicht nur so aufbauen lassen, wenn man so viel teilt (und nicht von der einen Welt zur nächsten hüpft – „alltags-world-hopping“).

Ich war erstaunt, wie viele Menschen das Oberlinhaus ihr „Zuhause“ nennen - und glaube, ich gehöre jetzt auch dazu.

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Kommentare: 1
  • #1

    Elke (Samstag, 24 Oktober 2015 22:30)

    Wow - das sieht ja richtig gut aus.Schad, dass ich grad keine freie zeit habe zu kommen

    Alles Gute , Lenia, für die Uni und anderen Baustellen!