FormenDes ZusammenlebenS

Der Herbst beschert uns hier oben atemberaubende Schauspiele, immer wieder wird etwas in die Landschaft und an den Himmel gezaubert, was wir noch nicht gesehen haben. Wir haben Wochen mit wunderschönem Wetter und vielen Erlebnissen hinter uns. Die Temperaturen sind wieder angenehmer und die Arbeit geht dadurch oft leichter von der Hand. Das Westdach - also die Saalrückseite - ist fertig geschalt und sozusagen bereit um gedeckt zu werden. Erste Teile unseres riesengroßen Gerüsts sind abgebaut und auch die letzte Fassade ist fertig gedämmt.


Im Moment wird vor allem die große Fassade für die Verschalung vorbereitet. Dazu wurde auf der Dämmung eine Unterkonstruktion angebracht, auf die wir dann die Verschalung schrauben und die dafür sorgt, dass die Fassade hinterlüftet ist. Außerdem sind die ersten Fensterbänke schon eingebaut und zu unserer großen Freude war Klaus die letzten Tage da - er hat vor vielen Jahren die Fenster im großen Saal selbst gebaut und hat 2 Jahre lang im Oberlinhaus gelebt - und hat die ersten Fensterleibungen gebaut.

Ende Oktober hatten wir unsere Jugendtagung "FormenDes ZusammenlebenS" für junge Menschen ab 17 Jahren. Wir waren über fünfzig Menschen und haben intensiv über Zusammenleben im Kleinen und Großen gesprochen und intensiv zusammengelebt - wir hatten sogar einen gemeinsamen Kleiderschrank, in den jede*r Kleider hineinlegen und sich welche aussuchen konnte :) In der Workshopzeit konnte beim Bauen mitgeholfen werden und der Bezug, der dadurch zum Haus entsteht, wirkt sich auch auf das leben im Oberlinhaus aus. Mehr Bilder von der Tagung gibt es unter Berichte und Fotos.

Im Anschluss an die Tagung haben wir unser Richtfest gefeiert, zusammen mit einigenden Helfer*innen, die die Herbstferien nutzen wollten, um bauen zu helfen. Bei all der Arbeit ist es besonders schön ab und zu zu feiern und wir hatten großen Spaß dabei. Das Ritual haben wir etwas umgewandelt - so saßen bei unserem Richtfest alle zusammen auf dem First, wie Hühner auf einer Stange und bei jedem "hoch hoch hoch" wurde eifrig mitgegrölt und das Weinglas ein Mal den First entlang gereicht, so das jede*r einen winzigen Schluck trinken konnte.

 

Hier der Richtspruch, den unserer ehemaliger Praktikant Aaron geschrieben hat:

 

Das Werk ist nun wohl fast vollendet

Viel Arbeit hab'n wir ihm zugewendet

Jahreszeiten sahen wir vorüber gehen

und dieses prächtge Dach entstehen.

 

Nun hat nach langen arbeitsreichen Tagen

die Weihung dieser Neuerung geschlagen.

Stolz grüßt der Richtbaum hinab zu Tal und Land

so dass wir nun, nach dem Brauch dem alten

heut können unser Richtfest halten.

 

Zu ehren großer handwerklicher Kunst

und zu danken Gott für seine Gunst,

mit der er beschützte alle Helfer groß und klein

bei ihrer Arbeit Dach auf, Dach ein.

 

Auf sie will ich das erste Glas nun heben

um ihrem unermütgen Fleiß die Ehr zu geben

hoch solln sie leben,       hoch, hoch, hoch

 

Das zweite Glas der Bauherrschaft

die uns die Arbeit hat verschafft

Hoch solln sie leben       hoch, hoch, hoch

 

Doch nun dem aufrichtgen Zimmermann

der unser Schaffen leitet an

der stehts hatte einen Plan

und ihn uns auch vermitteln kann.

Drum nun dem Meister recht viel Glück

auf dem Weg zum Meisterstück.

Gott gebe ihm ein langes Leben

Hoch soll er leben        hoch, hoch, hoch

 

Doch nun unser Blick schweift himmelwärts

Voll Stolz und Freud schlägt unser Herz

dass wir gemeinsam dieses Werk vollendet haben

Weil unser Herrgott in der Tat

uns seine Hilf geliehen hat.

 

Und nun du Glas fahr hinab zum Grunde

geweiht sei dieses haus zur Stunde.


In diesem Sinne arbeiten wir weiter, um das Werk noch ganz zu vollenden. Und an dieser Stelle ist es mal wieder Zeit für ein großes Dankeschön an all die, die in den letzten Monaten beim Bauen dabei waren, dem Oberlinhaus viele ihrer Tage, Wochen und Wochenenden geschenkt haben und uns immer wieder neuen Schwung und lustige Stunden mitgebracht haben! Dass sich die Arbeit nicht nur als besonderes gemeinschaftserlebnis und Geste dem Haus und der Umwelt gegenüber gelohnt hat, sondern auch ganz konkret physisch, konnten wir in den letzten Tagen schon merken: es war wunderbar warm im Haus, sogar als nicht geheizt wurde.


Wir können weiterhin Unterstützung gebrauchen, z.B. indem Menschen für uns Kochen (das Glück haben wir immer wieder gehabt) oder zum Bauen helfen kommen (auch ein Wochenende lohnt sich) oder in der Form von Spenden, für unvorhergesehene Kosten am Schluss und um den zinslosen Direktkredit zurück zubezahlen. Wir können auch eine Spendenbescheinigung ausstellen. Lieben Dank schon im Vorraus für jegliche Form der Unterstützung.


Kontodaten: Johann Friedrich Oberlin-Verein Stuttgart e.V.,
Postbank Stuttgart, Konto-Nr. 50 54 708, BLZ: 600 100 70,
IBAN: DE81 6001 0070 0005 0547 08


Und nun zuletzt noch ein paar Bilder :)

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Kommentare: 1
  • #1

    Ole (Donnerstag, 19 November 2015 16:39)

    was für ein schöner Richtspruch!

    Euch viel Tatkraft das Werk zu beschließen!

    Herzliche Grüße, Ole