Du denkst das ist schief?

So sah es noch vor zwei Wochen hier aus. Dank eines warmen Novembers hat sich seit dem nochmal einiges verändert und wir sind vor dem Wintereinbrunch sozusagen mit dem Dach fertig geworden. Die Bauern in der Region haben über Wassermangel geklagt und auch im Oberlinhaus ist das immer wieder ein Thema. Für uns war dieser warme und trockene Herbst trotzdem ein Glück - und wie!

Wir haben einen Wortwitz erfunden, der so geht: "du denkst, das ist schief? Der Dachdecker deckt Schiefer." Jetzt haben wir selbst die Gelegenheit gehabt Schiefer decken zu lernen, denn wie von Anfang an geplant, decken wir die Rückseite des Saals selbst. So haben wir einige Tage auf Dachleitern und Besengerüsten verbracht, Schieferhaken rein geschlagen, Schieferplatten auf ihre Unversehrtheit abgeklopft, Schiefer und Blech zugeschnitten und uns dabei in ordentlichem Tempo das Dach hoch gearbeitet.


An vorletzen Wochenende kam mal wieder Unterstützung aus dem Tal, so dass wir an mehreren stellen parallel arbeiten konnten. Und so ist alles gut gegangen: das Dach ist zu (abgesehen von ein paar fehlenden Blechen und der einen Hälfte des Notausgangs) und der Winter ist gekommen.

Wir haben dann noch flott die übrigen Schieferpaletten an einen guten Ort gekrant, wo sie überwintern, so dass im Frühjahr die Schiefer ausgetauscht werden können, die den winterlichen Härtetest nicht überstanden haben. Dann haben wir noch weiter hin und her gekrant, so dass alles Schwere aufgeräumt oder auf dem Hänger zum Abtransport bereit war, denn es wurde Zeit sich von unserem Kran zu verabschieden, bevor der Schnee kommt und er möglicherweise bei uns überwintern muss (was eine teure Angelegeheit gewesen wäre).

Der Kran wurde am frühen Morgen zusammengeklappt - und wir haben es uns nicht nehmen gelassen das genau zu beobachten, wie klein er zusammengefaltet wurde, wie die Gewichte auf den LKW gehoben wurden und wie er dann weg gezuckelt ist. Ihr merkt, bestimmte Sachen gehen hier oben jetzt zu Ende.

Ohne Kran heißt es jetzt für uns wieder mehr schleppen, z.B. beim Abbau unseres Gerüstes. Was das bedeutet, durften wir im Frühling schon beim Aufbau erfahren: unzählige schwere Stangen und Gerüstböden müssen von a nach b getragen und in die Höhe gereicht werden.

Aber auch da gibt es Hilfe. Gestern Morgen haben wir das Gerüst an der Nord- und Südseite des Hauses von Schnee und Eis befreit, denn Nachmittags wollte uns die FÖJ Gruppe, die gerade im Haus ist, gerne beim Bauen helfen. Wir haben an beiden Seiten des Hauses parallel Gerüst abgebaut und hatten an jeder Seite eine Kette aus 10 Menschen, die die Gerüstteile zum Anhänger gereicht haben. Dabei waren sie schwungvoll und gut gelaunt und es hat Spaß gemacht zusammen zuarbeiten. So haben wir in einer Stunde richtig viel geschafft, was uns alleine viele Stunden und vor allem viel Muskelkraft abverlangt hätte. Jetzt hoffen wir, dass beim Abbau der Fassadengerüste auch so viele helfende Hände auftauchen werden :)

Hier ist es jetzt eisig kalt und es hat in kurzer Zeit viel geschneit. Die Fassade bietet einigermaßen geschützte Arbeitsplätze - wobei auch da kalter Wind ins Gesicht und Schnee in den Nacken wehen kann. Unsere Aufstehzeit, die wir nach der Zeitumstellung auf kurz vor 6 Uhr vorverlegt hatten, um das Tageslicht zu nutzen, ist bei kurz vor halb 7 angelangt, damit wir unser Werkzeug schon erkennen können, wenn wir mit der Arbeit beginnen. Wir schälen uns dann aus unseren kalten Behaussungen, in denen wir noch ausharren mit interessanten Veränderungen, wie zugefrorenen Türen und eingefrohrenen Wasserkanistern. Nach einem Frühstück in der Küche, in die wir zu fünft gut rein passen, gehts dann nach Draußen ins Morgengrau und an die Fassade. Das Zebra ist schon bis bis zur Hälfte der Fassade vorgerückt und die Douglasienverschalung kommt hinterher. So geht es weiter, langsam aber sicher. Wir rechnen im Moment damit, bis Weihnachten hier beschäftigt zu sein, aber das wird sich zeigen. Für unser leibliches Wohl ist jedenfalls gesorgt - wir wurden über eine Woche lang von Kunigunde bekocht und umsorgt und können jetzt gerade bei der FÖJ Gruppe mitessen.

Hier noch eine ausführlichere Bilderreise durch die letzten zwei Wochen.

Und nochmal kurz Werbung für unseren Baukalender: wir haben inzwischen die Kosten drin und alle Kalender, die wir jetzt verkaufen bringen dem Haus ein kleines Pölsterchen für Unerwartetes und die Rückzahlung des Direktkredits. Wenn ihr also noch einen Kalender haben wollt, meldet euch :)


Liebe Grüße aus dem Schnee von uns allen!

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Kommentare: 5
  • #1

    natulein (Mittwoch, 25 November 2015 09:58)

    toller Wortwitz;)
    und im Schnee sieht das alles auch sehr schön aus!
    haltet gut durch!

  • #2

    Manfred (Mittwoch, 25 November 2015 14:37)

    Leute - das, was ihr da geleistet habt, ist unglaublich!!!!
    Und was für ein Glück, dass das Wetter so mitgespielt hat!
    Ich freue mich so sehr Euch an Neujahr wiederzusehen.

  • #3

    Ulli Seitz (Donnerstag, 26 November 2015 05:12)

    Ihr lieben Alle!
    Eure Zeilen lese ich so gerne , oftmals viel lieber und interessierter als die SPIEGEL Website! Grosses habt ihr gemeinsam geleistet!!
    Sind die Fotos aus der ersten Bauphase bei euch angekommen?
    Auf ein Wiedersehen

  • #4

    Elke Dietze (Donnerstag, 26 November 2015 21:44)

    Supertoll. dass ihr das geschafft habt, soweit zu kommen vor dem Wintereinbruch! Herzlichen Glückwunsch und Alles Gute für die letzte und winterliche Bauphase
    Und danke u.a. für den Bericht ...

  • #5

    Lara (Sonntag, 29 November 2015 15:15)

    macht Spaß für euch zu schreiben :)
    Und ja, Ulli, die digitalisierten Bilder sind angekommen. Danke!!!